Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
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Pleonasmus, Pleonasmo, Pléonasme, Pleonasmo, Pleonasm

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Pleonasmen (W3)

Ein "Pleonasmus" bezeichnet redundante Ausdrücke, wie dt. "weißer Schimmel", "alter Greis", die also aus sinngleichen oder sinnähnlicher Ausdrücken bestehen. Die Bezeichnung wurde von spätlat. "pleonasmos" und diese aus griech. "pleonasmós" = dt. "Überfluss", "Übermaß", übernommen. Das zu Grunde liegende Verb griech. "pleonázein" = dt. "Überfluss haben", "reichlich vorhanden sein", enthält griech. "pléon" = dt. "mehr" und griech. "polýs" = dt. "viel".

Hier habe ich einige Pleonasmen gesammelt. Ich hoffe, sie halten einer genaueren Analyse stand.

"Kaiserschnitt" (lat. "caedere", "caesum" = dt. "schlagen", "hauen", "herausschneiden"), "Billardstock" (zu frz. "bille" = "Pflock", "Stock")), "spitzfindig", "lichterloh", "gemischter Salat" (allerdings erst, nachdem das "Gesalzene" die Konnotation "Gemischtes" angenommen hat), "Zimtzicke" (allerdings auch erst nach Konnotationswandel), "Palisadenpfahl", "Oxalsäure", "Agrarkultur", "Bauerntölpel", "Wassertank", "skeptisch blickender Bischof", "Entgegnung", "Wohlwollen", "kämpfende Hilde", "still stehen", "abgespaltenes Holzscheit", "Schutzschirm", "Manager" ("Handhandler"), "Lustgewinn" ("wunja" = "Wonne"), "Gehst du?" ("gehst" entstanden aus "geh du", noch zu erkennen in bayr. "Gehsd scho ind Schul?" (oder so ähnlich), entsprechend andere Verben), "Weltalter", "Zeitabschnitt", "Tageszeit(ung)" (zu "tidi" = "Zeit", …, "Tag"), "vorprogrammiert", "neu renoviert", "Firmenname", "Rückantwort", "Super-GAU", "die europäischen Nachbarn Deutschlands", "unerfüllte Wahlversprechen", "machthungrige Politiker", "Theorie" ("Schausehen"), "Organisationsform", "akustische Gitarre", "eine andere Alternative", "deutsches Volk", "Drehwurm", "eloquenter Sprecher", "Fußfessel", "goldenes Jubiläum" (50ster 50jähriger Jahrestag), "Lindwurm", "mechanische Schreibmaschine", "kleiner Zwerg", "großer Riese", "runder Kreis", "grünes Gras", "schwarzer Schornsteinfeger", "es könnte möglich sein", "es soll angeblich ...", "Einzelindividuen", "Zukunftsprognosen", "warme Thermalquelle", "Fußpedalen", "Seifenstück" (vor dem Aufkommen der Flüssigseife), "verkehrt" ("umumgewendet"), "Folge leisten", "Braunbär", "Reißwolf", "einsam", "Ritzgriffel", "adlige Herkunft", "Kohldampf", pfälz. "Kummergürkche" ("Gummergürkche", "Gurkengürkchen"), "Rentier" (schwed. "Ren" = dt. "Rentier"), "Gegenwert", "peace force", engl. "preposterous", "Osttimor" (aus port. "Timor-Leste" und mal. "timur" = "Osten", (die Spanier hatten den östlichen Teil der östlich (von Java und Sumatra) gelegenen Insel besetzt), Germanismus russ. "butterbrot s maslom" (= "Butterbrot mit Butter"), "Marshal" (fränk. "*marhskalk" aus "mare", "Mähre" und ahd. "scelo" = "stallion" = "(Zucht-)Hengst"), "Friaul Julisch Venetien" ("Friaul" aus "Forum Julii"), "La vierge de Notre-Dame-de-Gray" ("Notre-Dame" enthält die Konnotation "Jungfrau Maria"), "mutterseelenallein" (von frz. "moi tout seul"), "Jahreskreis" (ahd. "jar" = "Lauf (um die Sonne)"), engl. "career coach" (wofür ist dieser Kutscher sonst da?), "Heißbäder" ("Bad" soll ursprünglich die Konnotation "heiß" gehabt haben), "Trennschere", "lauwarm" ("warmwarm"), "tragbar" (Suffix "-bar" von ahd. "beran" = "tragen").

Den Franzosen reicht der Pleonasmus frz. "aujourd'hui" = dt. "am Tag von diesem Tag" (dt. "heute", lat. "hoc die" = dt. "(an) diesem Tag") noch nicht. Deshalb hört man sie auch sagen frz. "au jour d'aujourd'hui" = dt. "am Tag vom Tag von diesem Tag". Vielleicht könnte man dies als "weißer Albino-Schimmel" bezeichnen.

Das Gegenteil dürfte das Oxymoron sein. Als Beispiele: "schwarzer Schimmel" ("Oxymoron", "scharfsinnige Dummheit"), wie "(veröffentlichte) Anekdote(nsammlung)" (griech. "anékdota" = "Unveröffentlichtes"), "Plastikglas", "vegetarische Frikadelle", "bittere Süße", "Eile mit Weile", "alter Knabe", "schwarze Milch" (in Paul Celan's Todesfuge, die sich auf das Warten auf den Tod im KZ bezieht), "süßsauer", "alte Jungfer", "True Lies" (Filmtitel), "Microsoft Works" (;-)), "zweisam" (wörtlich "zweieins", ahdt. "samo" = dt. derselbe, ahdt. "sama" = dt. "ebenso").


(E?)(L?) http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,373614,00.html

Zweifach doppelt gemoppelt

Ein "alter Greis" im "dichten Gedränge", eine "runde Kugel" in "bunten Farben" - so etwas hört man immer wieder. Streng genommen sind solche Wortpaare und Zusammensetzungen jedoch unsinnig - doppelt gemoppelt nämlich. In unserem "Wortvokabular" wimmelt es von Pleonasmen.
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(E?)(L?) http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,378129,00.html

Guckst du fernsehen?

Ein Pleonasmus ist zum Beispiel, wenn man beispielsweise sagt: Das wäre eine "potenzielle Möglichkeit". Oder wenn man von "falschen Fehlern" spricht. Lesen Sie hier, was "Zwiebelfisch"-Lesern zum Thema doppelt gemoppelt in den Sinn kommt.
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(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=Pleonasmus
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "Pleonasmus" taucht in der Literatur um das Jahr 1780 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


Erstellt: 2018-12

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